01-2021 Jänner - Carnica-Biene

Carnica Bienenzuchtverband

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01-2021 Jänner

Monatsbetrachtungen
Imkerei im Dezember bis Jänner
Ein Jahr neigt sich so langsam dem Ende zu. Aber es gibt immer noch einiges zu tun. Die Winterbehandlung steht oft noch an, oder vielleicht doch nicht? Auf eine Winterbehandlung werden sie nicht verzichten können, bei manchen kontrollierten Bienenvölkern (varroafreien Bienenvölkern) aber schon. Das Varroabekämpfungskonzept sieht einen milbenarmen Start im neuen Jahr vor. Dazu dient die Winterbehandlung, wie sie auch in der letzten aktuellen Monatsbetrachtung lesen konnten.  
 
Andererseits hat jede medikamentöse Varroa-Bekämpfung auch Nebenwirkungen, daher ist die Methode viel hilft viel auch keine Lösung. Ein zeitgemäßes Bekämpfungskonzept sieht eine systematische Befallskontrolle vor. Wer ab der zweiten Jahreshälfte regelmäßig und lückenlos all seine Bienenvölker kontrolliert, weiß einfach Bescheid über deren aktuellen Zustand.
 
Die Diagnose im Winter unterscheidet sich grundsätzlich kaum von der Diagnose in der wärmeren Zeit (Frühjahr, Sommer), aber in einigen Details schon.
 
In der kalten Jahreszeit sind die Bienen meistens inaktiv und sind bei niedrigen Temperaturen in der dichten Wintertraube, erwachen aber in warmen Zeitabschnitten aus  ihrem Winterschlaf und lockern die Wintertraube auf. Dieses ständige hin und her führt unter anderem zu einem stärker schwankenden Milbenabfall. Es gibt Tage, da fallen mehr Milben und es gibt Tage, da fallen weniger Milben.
 
Das bedeutet, im Winter kann und muss länger gemessen werden, etwa eine Woche  lang die Stockwindel unten im hohen Boden lassen.
 
Wiederholen Sie die Diagnose mindestens noch einmal und ermitteln Sie den durchschnittlichen Milbenabfall pro Tag. Ein überwachter Zeitraum von insgesamt zwei bis drei Wochen bringt Gewissheit. Liegt die Anzahl der ermittelten Milben pro Volk und Tag auf ca. 1 Milbe, so sollte noch eine Behandlung erfolgen, dringend  wird sie auf jeden Fall, wenn mehr als 1 Milbe pro Volk und Tag fällt.
 
Über der Stockwindel kann die Milbenaktivität wie auch die Volksaktivität (abgefallene Zelldeckeln, Gemüllabfall, Brutbeginn, usw.) beobachtet werden, Überraschungen nehmen dadurch ab und die Erkenntnisse nehmen zu.
 
Bei Brutfreiheit sitzen die Milben auf den Winterbienen und sind dadurch mit dem Wirkstoff Oxalsäuredihydrat (Bienenwohl) gut zu erreichen, dabei liegt die Dosierung bei 5 ml Lösung pro besetzte Wabengasse. In Abhängigkeit von der Volksstärke wird eine Menge von
 
30 – 50 Milliliter (ml) Oxalsäure-Präparat eingebracht, 30 ml für ein kleines Volk, 40 ml für ein mittleres Volk und 50 ml für ein starkes Bienenvolk, bei zweizargigen Völkern muss ggf. gekippt werden, um die Bienen in der unteren Zarge zu erreichen.
 
Die volle Wirksamkeit einer Oxalsäure-Behandlung setzt etwa 10 - 14 Tage nach dem Träufeln ein. Die Träufelmethode mit einem Oxalsäure-Präparat ist dagegen einfacher in der Handhabung, schnell in der Durchführung und mit den geringsten Störungen für das Bienenvolk verbunden. Auch Sprühen von Oxalsäure ist eine gängige Methode, wobei es etwas mehr Aufwand mit jedem Bienenvolk bedeutet.
 
Des Weiteren garantieren nur zugelassene Medikamente in ihrer Anwendung eine ausreichende Wirksamkeit und Bienenverträglichkeit.
 
Die Winterbehandlung sorgt bei einer Wirksamkeit von 90 - 95 % dafür, dass das Bienenvolk mit einer möglichst geringen Anzahl von Milben überwintert und unbelastet ins nächste Jahr starten kann,  in froher Erwartung einer erfolgreichen Überwinterung.
 
Imker, die nicht zugelassene Behandlungsmittel derzeit anwenden, handeln fahrlässig und verstoßen gegen die gesetzlichen Bestimmungen, sie gefährden nicht nur ihre Bienen, Bienenwachs, sowie ihre Bienenprodukte und schlussendlich auch sich selbst.
 
Die Wintermonate sind aber auch geeignet, einmal Rückschau zu halten und die Aufschreibungen des auslaufenden Jahres durchzusehen, jetzt hat man die Zeit, die aufgeschriebenen Informationen auszuwerten, seinen Imkereiablauf zu bewerten und Entscheidungen für das nächste Jahr zu treffen.
 
Aufzeichnungen sind für Imker und als Erzeuger von Lebensmitteln Pflicht. Zur Pflicht gehören das Führen von Stockkarten, Varroabehandlungsformular, Reinigung- und Desinfektionsplan, Schädlingsbekämpfung und Schädlingsüberwachung.
 
Formulare  unter (http://www.wanderlehrerverband-ktn.at/download.htm) abrufbar.
 
Im Varroabehandlungsformular muss die Anwendung von Medikamenten dokumentiert werden. Wir können Ihnen aber nur dringend anraten, alle Anwendungen von Behandlungsmitteln, deren Mengen, deren Zeitpunkt zu dokumentieren. Alleine aus der Sorgfaltspflicht bei der Honigproduktion ist es ratsam, grundsätzlich alles aufzuschreiben.
 
Dazu muss man wissen, mit einer Herbstbehandlung rettet man keine Völker, denn gerade bei starkem Befall haben die Milben bereits während ihrer Vermehrungsphase in der Brut den größtmöglichen Schaden angerichtet. Viele Winterbienen sind zu diesem Zeitpunkt bereits geschädigt und  somit in ihrer Langlebigkeit und Leistungsfähigkeit beeinträchtigt es kommt dann in der Winterbehandlung zu einem starken Totenfall. Zudem verbleiben die von den Milben übertragenen Viren noch lange Zeit im Volk und man verschafft den überlebenden Völkern keine guten Startbedingungen für das nächste Frühjahr.
 
Mittelfristig sollte es aber für jeden Imker erstrebenswertes Ziel sein, den Medikamenteneinsatz so weit wie möglich zu reduzieren, damit das Bienenwachs und der Honig mit den Rückständen von Varroaziden nicht stark belastet wird.
Weitere Informationen für die Oxalsäure-Behandlung:
 
Die meisten Imker behandeln ihre Bienenvölker bei der Winterbehandlung mit Oxalsäuredihydrat (Bienenwohl, Oxybee, Oxuvar).
 
Was ist dabei zu beachten, damit die Winterbehandlung gelingt.
  • Brutfreiheit checken
    Die Oxalsäure wirkt nur auf Milben, die auf den Bienen sitzen, Milben in der Bienenbrut bleiben hingegen verschont. Deshalb müssen die Bienenvölker bei der Winterbehandlung brutfrei sein.
  • Träufeln oder Verdampfen der Oxalsäure-Lösung
    Beim Träufeln muss des Volk geöffnet, 2. Zarge gekippt werden.Der Vorteil beim Verdampfen der Oxalsäure-Lösung ist, dass man die Bienenvölker nicht öffnen braucht und damit in ihrem Wärmehaushalt weniger störtFür das Träufeln benötigt man Gummihandschuhe, Augenschutz, eine Dosiermöglichkeit und die Oxalsäure-Lösung.
    Für das Verdampfen benötigt man Gummihandschuhe, Mund- und Augenschutz, mehre Verdampfer, entsprechende Stromversorgung und die Oxalsäure-Lösung (viel Material und höhere Kosten).
    Zeitaufwand pro Bienenvolk beim Träufeln braucht man ca. 2 – 3 Minuten, dagegen beim Verdampfen muss mit 20 – 25 Minuten gerechnet werden.
  • Oxalsäure erwärmen
    Die Oxalsäure-Lösung in einem Wasserbad auf ca. 30°C erwärmen, so löst sich der Zucker besser und es ist angenehmer für die Bienen.
  • Zucker dazugeben
    Den beigelegten Zucker in die Fasche füllen und schütteln, bis er aufgelöst ist. Die fertige Oxalsäure-Lösung zur Anwendung in den Bienenstöcken sollte eine farblose, klare bis leicht trübe Dispersion sein. Vor der Anwendung die fertige Dispersion kräftig schütteln.
  • Behandlungstemperatur
    Die Außentemperatur sollte während der Winterbehandlung mindestens 3°C betragen, auch in den nächsten sollte diese Temperatur vorhanden sein.
  • Dosierung der Oxalsäure-Lösung
    Pro besetzte Wabengasse ca. 5 ml der Oxalsäure-Lösung kalkulieren. Bei schwachen Bienenvölkern mit einem Bienensitz auf weniger als 1 Zarge sind ca. 30 ml, bei Bienenvölkern auf einer Zarge (10 Wabengassen befüllt) ca. 40 ml und bei starken Bienenvölkern über 2 Zargen ca. 50ml.50 ml ist hierbei das Maximum, mehr sollte nicht geträufelt werden, sonst muss mit hohem Bienentotenfall gerechnet werden.
  • Richtig träufeln
    Mit den aufgeschraubten Schwanenhals oder einer Spritze wird die Oxalsäure-Lösung auf den mit Bienen besetzten Wabengassen verteilt. Eine Schlauchverlängerung erleichtert das Träufeln bei einer tief sitzenden Bienentraube.Die Oxalsäure-Lösung nur auf den Bienen verteilen, auf Rähmchen und Bienenwachs ist sie nutzlos.
  • Jede Wabengasse beträufeln
    Bei 2-zargigen Bienenvölkern muss die oberste Zarge aufgekippt oder abgehoben werden und beide sind zu beträufeln.Bei Hochwaben ist es geschickt, eine Wabe zu ziehen und die anderen Waben zum Behandeln nach und nach zur Seite zu blättern. So erreicht man die Bienen besser.
  • Nur einmal träufeln
    Eine zu hohe Dosis oder eine 2. Oxalsäure-Behandlung schwächt die Bienenvölker so, dass sie daran sterben können.
  • Oxalsäure-Mischung nicht lagern
    Das Mindesthaltbarkeitsdatum der Oxalsäure-Lösung auf dem Etikett beachten. Dieses gilt nicht mehr, wenn der Zucker zugemischt wurde. Hierbei entsteht nach kurzer Zeit HMF, das für die Bienen giftig ist, deshalb sollte nur die Menge welche gebraucht wird mit Zucker vermischt werden.
  • Vor dem 31. Dezember behandeln
    Die Behandlung der Bienenvölker mit Oxalsäuredihydrat sollte bis Neujahr abgeschlossen sein, sonst sollte man im neuen Jahr keinen Honig ernten, Gefahr von Oxalsäuredihydrat im Bienenwachs und somit im Honig. Der Abbau des Behandlungsmittels braucht eine gewisse Zeit, denn der Nektareintrag beginnt schon im April.
Erlaubte Varroabehandlungsmitteln: (http://aspregister.basg.gv.at)
 

 
Arbeiten in der Imkerei:
    • Bienenstände laufend kontrollieren (Mäuse , Specht, Marder, Bären, Sabotage, usw.)
    • Bienenstände zudecken (Bleche, Platten mit Steine  beschweren, mit Gurten   zusammenbinden,  gegen Winterstürme sichern)
    • Beuten und Geräte reinigen bzw. reparieren, ausbessern, streichen
    • neue Beuten zulegen
    • neue Rähmchen vorbereiten und drahten
    • Varroakontrolle (Stockwindel)
    • Honig  verflüssigen, abfüllen
    • Bienenprodukte erzeugen, abfüllen, etikettieren, vermarkten
    • Bienenwachs einschmelzen zu Wachslaiben
    • Mittelwände erzeugen, die neuen Rähmchen damit bestücken
    • Zuchtdaten auswerten, bzw. eingeben in Datenbank
    • Weiterbildungsangebote der Vereine, Verbände nutzen (http://www.wanderlehrerverband-ktn.at/)
    • Jahresplanung für 2021
 
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