10-2020 Oktober - Carnica-Biene

Carnica Bienenzuchtverband

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10-2020 Oktober

Monatsbetrachtungen
Imkerei im September bis Oktober
 
Vor einigen Wochen hatten wir noch Tageshöchsttemperaturen von über 30°C. Viele Imker haben für die Sommerbehandlung mit Ameisensäure moderate Temperaturen abgewartet und erst dann die Behandlung verspätet durchgeführt. Eine sachgemäße Behandlung mit 85%-iger Ameisensäure ad us. vet. in einem Liebigdispenser bei vorschriftsgemäßer Anwendung sollte eine hohe akarizide Wirksamkeit bei guter Bienenverträglichkeit aufweisen. Die Wirksamkeit der Behandlung ist in den folgenden Wochen durch die Kontrolle des Milbentotenfalls zu überprüfen. Da Ameisensäure als einziger Wirkstoff Milben in den gedeckelten Brutzellen abtötet, ist es ratsam, den Milbenfall regelmäßig (einmal pro Woche) oder noch besser in kürzeren Abständen auf der Bodeneinlage zu zählen und zu notieren. Spätestens vier Wochen nach der Behandlung wird sich der natürliche Milbenfall wieder einstellen. Im weiteren Verlauf ist es wichtig, weiterhin wöchentlich den natürlichen Milbenfall zu zählen und den Totenfall (Milben pro Tag) zu errechnen. Da der natürliche Milbenfall von der Volksstärke und dem Brutumfang beeinflusst wird, können die Schadensschwellen der einzelnen Völker je nach Jahreszeit und Standort erheblich schwanken.
Für eine erfolgreiche Varroabehandlung ist es erforderlich den aktuellen Befallsgrad in den Völkern zu erkennen. Wiederholte Befallskontrollen mit der Puderzuckermethode können dabei im Abstand von 3-4 Wochen durchgeführt werden. Die Überprüfung des natürlichen Abfalls der Varroamilben mittels eingelegter Bodenschieber im Gitterboden ist jedoch einfacher durchführbar, frühestens 12 Tage nach der letzten Ameisensäurebehandlung.
Die abgefallenen Milben auf der Bodeneinlage (Stockwindel) werden am besten in kurzen Abständen von 2-3 Tagen ausgezählt, sonst erschwert das Gemüll die Erkennung der Varroamilben. Dabei wird jede gefundene Milbe gezählt und durch die Anzahl der Tage geteilt.
Sollte der durchschnittliche Totenfall aber auf mehr als 3-5 Milben pro Tag steigen, ist eine weitere Behandlung unumgänglich. Bleiben ihre Völker unter dieser Schwelle, kann in den meisten Fällen eine weitere Spätsommerbehandlung entfallen. Es ist wichtig, sich tatsächlich jedes Volk eines Bienenstandes anzuschauen. Nur so erkennen Sie die Dynamik und Befallsentwicklung und können Ihren Medikamenteinsatz sinnvoll reduzieren. Selbstverständlich sind Behandlungen mit Medikamenten zur Bekämpfung der Varroose immer in Abhängigkeit von bereits durchgeführten biotechnischen Maßnahmen zu sehen. Die Überprüfung des Milbenfalls sollte trotzdem bei allen Völkern geschehen, denn der Vorgang der Re-Invasion (Milbeneintrag aus anderen Völkern) ist nicht zu unterschätzen. Nur durch regelmäßige Befallskontrollen kann diese gefährliche Entwicklung rechtzeitig erkannt und entsprechend mit erforderlichen Behandlungen entgegengewirkt werden, somit verringert sich der Verlust von Bienenvölkern.
Weil wir nicht wissen wie lange sich die Bruttätigkeit im Herbst fortsetzt, kann es bei entsprechend hohen Milbenzahlen auch noch Ende September, Anfang Oktober (meist auch nur bei einzelnen Völkern) erforderlich sein, nochmal eine Behandlung gegen die Varroamilbe durchzuführen.
Passt das Wetter ist eine Ameisensäurebehandlung im Liebigdispenser empfehlenswert, dieser kann bis Mitte Oktober bei warmen Tagen (14 – 15°C) verwendet werden. Das hat eine schnelle Wirkung und die Brut kann im Regelfall weitestgehend erhalten bleiben.
Bienenbehandlungsmitteln
Für jeden Behandlungszeitraum steht eine geeignete Auswahl an Behandlungsmitteln bereit.
Die Liste derzeitig erlaubte und zugelassenen Bienenbehandlungsmitteln befindet sich auf der Homepage der AGES unter: http://aspregister.basg.gv.at
Wachsaufbereitung
Das von den Honigbienen produzierte Wachs ist ein Baumaterial, welches nicht nur für die Gesunderhaltung des Bienenvolkes einschließlich Wabenhygiene sondern auch für die Honigqualität extrem wichtig ist. Der Wert des eigenen Bienenwachses wird in der Regel erst erkannt, wenn Wachs von schlechter Qualität verwendet wird und zu Problemen führt. Der Kauf von Fremdwachs ist Vertrauenssache. Der eigene Wachskreislauf ist daher in jeder Imkerei anzustreben. Der geschlossene Wachskreislauf verwendet Bienenwachs aus dem gesamten Aufkommen von Altwaben, Baurahmen und Entdeckelungswachs zur Herstellung von Mittelwänden. Dagegen spricht man vom offenen Wachskreislauf, wenn das Wachs aus Altwaben regelmäßig entnommen wird und Mittelwände vorwiegend aus Baurahmen- und Entdeckelungswachs gegossen, werden. Das übrige Altwachs lässt sich dann hervorragend zu Kerzen verarbeiten. Der offene Wachskreislauf ist dem geschlossenen Verfahren vorzuziehen. Ab einer Völkerzahl von 10 - 15 Bienenvölkern wird der eigene Wachskreislauf praktikabel. Da ein Wirtschaftsvolk im Jahr durchschnittlich 500 g Wachs produzieren kann, ist die Menge an neuem Wachs natürlich der limitierende Faktor für die Umarbeitung und es braucht Zeit bis größere Mengen Altwachs vorhanden sind. Es kann also durchaus von Vorteil sein, sich mit mehreren Imkern oder im Verein zusammenzuschließen und gemeinsam einen Wachskreislauf aufzubauen. Auch der Kauf von Mittelwandpressen wird interessant, wenn der Weg zum Wachsverarbeitungsbetrieb zu weit oder das Vertrauen verloren gegangen ist.
Spätsommerpflege
Die Tage werden wieder merklich kürzer und am 23. September erreichen wir heuer die Tag- und Nachtgleiche. Der Herbst steht vor der Tür. An den warmen Tagen des Spätsommers können unsere Bienen noch eifrig Pollen sammeln. In manchen Bienenständen kann allerdings aufgrund des besonderen Witterungsverlaufs in diesem Jahr mit viel Hitze und Trockenheit auch ein frühes Ende der natürlichen Pollenversorgung auftreten. Andererseits zeigen sich in niederschlags-reicheren Orten auch schon erste Pflanzen bzw. Sträucher sogar mit einer zweiten Blüte. An einigen Bienenstandorten sind deshalb die natürlichen Pollenvorräte derzeit als gut bis sehr gut einzuschätzen. An manch anderen Standorten können Bienenvölker durch die von Landwirten angebauten Begrünungsflächen wie Phacelia, Senf und Buchweizen in der heren Umgebung ihre Pollenvorräte auffüllen. Spätestens Mitte September kontrollieren wir noch einmal die Futtervorräte der einzelnen Völker durch Ankippen oder durch Wiegen. Hier haben sich neben Stockwaagen auch Federzugwaagen bewährt. Letzte Futtergaben von einigen Litern Zuckerwasser oder Sirup sind jetzt noch problemlos möglich. Futterteig im September ist keinesfalls empfehlenswert, da er zu langsam abgenommen wird und zu aufwändig von den ersten Winterbienen verarbeitet werden muss. Einräumig eingefütterte Völker im Einheitsmaß oder Zandermaß sollten dann etwa 15 kg fertigen Futtervorrat aufweisen, zweiräumige Völker etwa 20 kg.
Sind die Völker ausreichend mit Futter versorgt, werden auch die Futtertröge oder Futtereimer entfernt und gereinigt. Spätere Nachfütterungen mit Flüssigfutter im Oktober sollten nur noch ausnahmsweise  wenn erforderlich dann direkt am Bienensitz und am besten mit Zuckerwasser erfolgen.
Wenn dies früh genug noch in einer warmen Wetterphase gemacht wird, können normale Bienenvölker auch noch im September und Oktober durch Umtragen von Vorräten aus den vollen Waben das Winterfutter ausreichend auf die inneren Waben verteilen und so für genügend leere Zellen und ausreichend Futter im Wintersitz sorgen.
Durch zu starkes Füttern bzw. starken Herbsteintrag oder aus einer Räuberei können die Waben so voll getragen worden sein, dass die Bienen im Winter kalt auf vollen Futterflächen sitzen müssen und dann möglicherweise keine richtige Wintertraube bilden können. Ausreichend leere Zellen werden jedoch für die Erwärmung der Wintertraube benötigt.

 

 


Arbeiten in der Imkerei:
  • Fluglöcher beobachten
  • Wintersitz einrichten
  • Völker auf neue Königinnen umweiseln
  • Bienenvölker nachfüttern
  • Varroamilbenkontrolle mit Stockwindel oder Puderzuckermethode
  • Varroabehandlung durchführen (Mitte September – Mitte Oktober)
  • Räuberei vermeiden, Völker einengen
  • Schutz gegen Wespen und Hornissen aufstellen
  • Weidezäune aufstellen, zum Schutz der Bienenvölker
  • Wassergehalt der Ernte prüfen
  • Honig abfüllen
  • Schleuderraum reinigen
  • Gerätschaften nach der Honigernte reinigen
  • Bienenstände zudecken (Bleche, Platten mit Steine  beschweren, mit Gurten    zusammenbinden,  gegen Herbst- und Winterstürme sichern)
  • Beuten und Geräte reinigen, bzw. reparieren
  • Bienenprodukte erzeugen
  • alte Rähmchen ausschmelzen und das Bienenwachs reinigen
  • Weiterbildungsangebote verschiedener Kurse, Lehrgänge  in den Vereinen, Verbänden nützen (http://www.wanderlehrerverband-ktn.at/)
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